Das KleineBühne-Weihnachtskonzert: Sehrschlechtsprechbar spielt „Turbulenzen“

Am: 21.12.2017 / Beginn: 20:00

Sie messen sich mit den Großen ihrer Zunft: Cage, Ligety oder Riehm – den Großen der „Neuen Musik“, die Experiment und Improvisation als vollwertiges musikalisches Mittel durchsetzten, vor allem aber die Macht der Notenpulte und Spielkonventionen brachen. Dabei bleiben die Sieben von „sehrschlechtsprechbar“ mehr als bescheiden, treffen sich nur selten zum gemeinsamen Konzert. Ihr Anliegen ist nicht der Sturm der Konzertbühnen und Aufnahmestudios, nicht Ruhm und Ehre in den Chroniken der Musikwissenschaft. Ihr Plan ist die Ausgestaltung eigener Spielansätze, das Ausprobieren der persönlichen Spielregeln und ein selbstbewusster Umgang mit der so erworbenen künstlerischen Freiheit: Nichts als Lärm, pures Geräusch in scheinbarer Beliebigkeit? Ist das überhaupt Musik?

Das Miniorchester „nimmt in Kauf, wenn jemand auf dem falschen Ohr erwischt wird und laut  denkt: Das ist ja nicht auszuhalten! Es macht ihnen Spaß, Musik zu inszenieren,“ schrieb kürzlich die Autorin und Mentorin, aber auch kritische Begleiterin der heimischen Kulturszene, Silvana Kreyer, in einem kreisweit vertriebenen Magazin. Mit ihrem jährlich wechselnden Konzertthema – in diesem Jahr lautet es „Turbulenzen“, mit einem Ankündigungsplakat, das in der Serie mit denen vorangegangener Vorstellungen ein festes künstlerisches Konzept verfolgt und das von Fans insgeheim gesammelt wird – in diesem Jahr steht darauf ein nautisches Hilfsmittel, der Sextant, im Mittelpunkt, und einem Konzertablauf, der in seiner Naivität verblüfft, in seinen dilettierend anmutenden, dennoch hochkomplexen musikalischen Nuancen und in den integrierten dozierenden Bildbesprechungen sowie seiner visuellen Umsetzung überzeugt, macht sehrschlechtsprechbar nachdrücklich auf sich aufmerksam.

Das Ensemble ist ein Gesamtkunstwerk, dem einen Abend lang Zuwendung sehr gut tut. Ihr Konzert ist eine  Zumutung im besten Sinne: „Selbst hartgesottene Freunde sollten jedes Mal mit dem Äußersten rechnen,“ warnt Kreyer. Nächstes und letztes Konzert dieses Jahres wird am 21.12.2017, 20 Uhr, im Kesselhaus der Weberei sein. Karten für 8 Euro an der dortigen Abendkasse.