Golda

Lange vor dem 7. Oktober 2023 begann die Arbeit an „Golda – Israels eiserne lady“, was Guy Nattivs biographischen Filme über die legendäre israelische Ministerpräsidenten Golda Meir in eine seltsame Position bringt: Einerseits wirkt der oft hoffnungsvolle Ton, der auf einen friedlichen Ausgleich hofft, inzwischen besonders weltfremd, andererseits wirkt der Versuch, die Komplexität des Nahost Konflikts zu entwirren aktuell besonders notwendig – gerade in Deutschland.

Am 6. Oktober 1973 überfielen ägyptische und syrische Truppen Israel mit dem Ziel Gebiete, die sie im Sechstagekrieg verloren hatten, zurückzuerobern. Der Tag des Angriffes war klug gewählt, denn er fiel auf den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, an dem Israel und mit ihm seine normalerweise besonders schlagkräftige Armee, deutlich weniger wachsam agierte als sonst. Schnell geriet Israel daher unter Druck, sah sich einer existenziellen Bedrohung gegenüber, auf die die Frau an der Spitze des Staates besonnen reagierte: Golda Meir (Helen Mirren) 1898, in Kiew geborene Politikerin, die seit 1969 als Ministerpräsidentin agierte, als erste Frau in Israel und auch weltweit als eine der ersten Frauen in einer solch herausragenden Position.

Das Meir zu diesem Zeitpunkt wegen Lymphdrüsenkrebs behandelt wurde war ein gut gehütetes Geheimnis, was die burschikose, auf sich selbst und ihr Umwelt keine Rücksicht nehmende Politikerin jedoch nicht davon abhielt, Kette zu rauchen. Egal ob sie mit ihrem Kabinett, angeführt von Verteidigungsminister Moshe Dayan (Rami Heuberger) über die richtige Reaktion diskutiert oder mit dem amerikanischen Außenminister Henry Kissinger (Liev Schreiber) über Form und Ausmaß der Unterstützung der israelischen Schutzmacht verhandelt: Eine Zigarette hat sie stets in der Hand.

Ein verrauchter Hinterzimmer-Film ist „Golda – Israeles eiserne Lady“ so geworden, inszeniert vom amerikanisch-israelischen Regisseur Guy Nattiv, der ein Drehbuch von Nicholas Martin verfilmt, ein Autor, der keinerlei Bezug zu Israel hat. Und vielleicht gerade deswegen besonders gut in der Lage ist, die Komplexität der Ereignisse mit nötiger Distanz zu schildern, ohne sich für diese oder jene Seite entscheiden zu müssen.

Ab 12 J. / 100min.

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